Felix Geburtsbericht - Mittwoch, 22. Juni 2005

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Wir (Jürgen, ich und Felix noch im Bauch) waren um ca. 17 Uhr wie bestellt im Krankenhaus Klosterneuburg und wurden dort bereits erwartet bzw. mit unserem Namen begrüßt (eine Überraschung nach den chaotischen Terminen zuvor).

Dann ging es gleich zum CTG, prüfen, ob es dem kleinen Fips gut geht und eh keine Wehentätigkeit zu sehen ist.
Kleiner Schock: es dauerte einige Zeit, bis der Herzschlag des Kleinen gefunden wurde (dabei war er am Weg ins Spital im Auto noch total unruhig und lebhaft - der ahnte schon, dass da was auf ihn zukam ...)

Ich durfte mich einige Mal hin- und herdrehen, drei Hebammen dokterten an mir und am CTG herum, wurden dann selbst unruhig und holten dann sogar einen Arzt - als der eintraf, hatte es sich Felix überlegt und ließ sein Herz doch noch hören (der saß sicher da drinnen, grinste und zeigte uns die lange Nase, bäh).

Während ich so mit dem CTG da lag und Felix mehr oder minder rhythmischen Schlägen lauschte (zwischen 128 und 170, wenn er sich drehte - am Schluss hatte er aufgrund des langen Lauschangriffes sogar Schluckauf), wurde noch Blutdruck gemessen, Aufnahmebögen ausgefüllt und Jürgen und ich durften uns das Mittagessen für die nächsten Tage auswählen - aus drei Mahlzeiten von Schnitzel über Kalbsgeschnetzeltes bis hin zum Kaiserschmarren alles dabei.

Die Hebamme fragte dann noch, wieso Kaiserschnitt und sie hätte mit Beckenendlage noch etwas gewartet, vielleicht dreht er sich ja noch ... Jürgen und ich waren etwas überrascht, dass sie so offen gegen einen Arztentscheid sprach.
Sie relativierte dann sofort und meinte "Ich weiß eh, ich hab ja da nichts zu sagen und ich weiß auch, wieso das so gemacht wird. Bei einem geplanten Kaiserschnitt gibts keine Probleme mit Personalmangel wie bei einer plötzlichen Risikogeburt mitten in der Nacht."

Dann gabs einmal Abendessen - Frühstück und Abendessen vom Buffet - mit Nudel- und Wurstsalat, Wurst, Käse, Gemüse, gutes Brot und zum Abschluss einen leckeren Pudding. Was will man mehr?

Nachdem alle Zimmer belegt waren, bekamen wir das Familienappartment ohne Aufpreis (normalerweise zahlt meinen Aufenthalt die Krankenkasse, Jürgen muss 50,- pro Tag für die Vollpension zahlen. Das Familienappartment würde 115,- pro Tag plus die 50,- Vollpension für die Begleitperson kosten).
Natürlich kann es sein, dass wir schon morgen übersiedeln müssen, falls ein anderes Zimmer frei wird bzw. jemand das Appartment bestellt hat.
Auf alle Fälle Luxus pur: eigenes Wohnzimmer mit Kochnische, großes Schlafzimmer mit Wickelkommmode, einem Krankenbett und einem Doppelbett und ein großes Bad mit WC.

Ich musste noch zum Ultraschall (nochmals nachsehen, ob Felix eh liegt wie er liegt - natürlich verkehrt) und um halb neun kam dann noch die Nachtschwester, erklärte den morgigen Ablauf, gab mir die erste Thrombosespritze (iiiih ... man darf sich aussuchen, ob langsam oder schnell gespritzt wird. Bei schnell tat es mir mehr weh, obwohl es eigentlich nicht richtig weh tat, halt ein wenig brennen. Aber wer mag schon Spritzen?)

Sie wies mich auch nochmals darauf hin, dass ich für die Narkose keinen Schmuck, kein Make-up, keine Kontaktlinsen und auch keinen Nagellack tragen dürfe (worauf hin ich am Abend beim Fernsehen noch brav den durchsichtigen Nagellack zumindest von den Fingern kletzelte. Warum kein Nagellack? Keine Ahnung.)
Ab 12 Uhr Mitternacht durfte ich nichts mehr essen oder trinken (essen ist ja okay, aber trinken? Da soll man in der Schwangerschaft urviel trinken und dann das. Da verdurste ich ja während der Operation).

Und die Schwester ließ mir eine Schlaftablette da - eigentlich bin ich ja gegen solche Medikamente und stellte mir vor, sie müssten mich dann in der Früh mit Gewalt wachrütteln. Aber nachdem wir nach etwas fernsehen um 10 ins Bett gingen und ich da noch lange wach lag, überlegte ich es mir doch.
Ich hatte an sich keine Angst vor der Operation, die mich vom Schlaf abhielt - aber es war sehr schwül und ich schwitzte und begann nachzudenken. Also was solls, Tablette rein, teilweise auch aus "Neugierde". Wie ist das, fällt man von einer zur anderen Minute in Tiefschlaf?

Donnerstag, 23. Juni - Felix Geburtstag

Also ich bin kein Typ für Schlafmittel: ich brauchte doch noch einige Zeit, bis ich einschlief, schlief dann zwar wie ein Stein (sogar ohne obligatorischen WC-Gang in der Nacht), aber um 04:10 Uhr war ich munter.
Vielleicht durch das Vogelgezwitscher des neuen Tages, vielleicht durch die Aufregung oder durch den etwas verschobenen, aber nötigen WC-Gang ...

Um 6, halb 7 wollte die Schwester uns wecken und mich für die Operation vorbereiten. Schlafen konnte ich nicht mehr richtig, also zu Jürgen ins Bett gekrochen (ich schlief im Krankenbett, er in der einen Doppelbetthälfte) und etwas gedöst.
Um viertel 7 holte mich dann die Schwester zu unserem letzten CTG (mein letzter Gang mit dickem Bauch). Keine Wehentätigkeit, ruhiges, gleichmäßiges Herzklopfen, Felix schlief anscheinend noch.

Dann bekam ich einen Einlauf - klingt ja für viele furchtbar. Ich hatte noch nie einen und war daher überrascht, wie harmlos das eigentlich ist. Ich war generell total ruhig und eigentlich eher freudig angespannt und neugierig. Irgendwie sah ich das alles als "wissenschaftliches" Ereignis, als neue Erfahrung.
Jedenfalls schaffte ich es locker wieder in unser Zimmer und aufs WC und fühlte mich danach total erleichtert :))

Dann ab ins Bett (das ich dann nicht mehr so schnell verlassen sollte) und Blasenkatheter gesetzt. Klingt auch furchtbarer als es ist. Ein Schlauch ab zur Blase, ein Sackerl dran und man muss nicht mehr aufs Klo - geht automatisch und fast unbemerkt ins Sackerl. Tat auch überhaupt nicht weh.
Ich glaube wirklich: wenn man ruhig und entspannt ist und sich gegen nichts verkrampft, ist es auch nicht so arg. Liegt aber vielleicht nicht nur an der Einstellung, sondern auch an der körperlichen Verfassung - und die ließ mich ja bereits in der Schwangerschaft nicht im Stich.

Dann die nächste neue Erfahrung: Spritze für die Infusion (ich durfte ja nix essen und trinken - und hatte jetzt schon riesigen Durst und trockene Lippen).
Die Assistenzärztin war sehr nett, aber die erste Spritze ging leider daneben und die Infusion nicht durch. Ihr Kommentar "Ihre Haut ist so hart und lässt sich so schlecht verschieben" und dabei zog und schob sie die Spritze hin und her, dass es eine "Freude" war.
Okay, ich bin nicht sehr schmerzempfindlich und es war auszuhalten - aber nicht ohne. Also nochmals gestochen und da gings ruck-zuck, einfach und schmerzlos.

Und dann gings los: ein junger Krankenpfleger holte mich ab und führte mich samt Bett in den Vorbereitungsraum (welch Luxus, ich wurde gefahren ;))
Dort lernte ich "meinen" Operationshelfer kennen - d.h. nur die Stimme und verschwommen zwei Augen, denn ohne Brille erkannte ich ja nicht viel und er hatte bereits Haube und Mundschutz um.
Aber er war sehr nett, erklärte, was nun passiert und versuchte mich zu beruhigen. Er versuchte es, denn da war nix zu beruhigen - ich war nach wie vor gespannt, aber nicht nervös oder ängstlich.
Zumindest fühlte ich mich so, kann aber nicht ganz stimmen, denn wenn ich nervös bin, dann rede ich viel :)) Und so fragte ich Sigi nach seinen braunen Oberarmen (!) und nach Kindern und wir stellten fest, dass er ebenfalls einen Felix hatte und sein Mädchen Julia hieß (das war unser Mädchenname).

Auf gings in den Operationssaal, wo schon urviele Leute auf mich warteten. Der Anästhesist erklärte mir nochmals die PDA (Kreuzstich, also Lokalnarkose in das Rückenmark) und auch Sigi zeigte mir, wie ich mich am besten entspannen könnte, um die PDA so einfach wie möglich zu machen. Rundrücken im Sitzen, ganz entspannt Schultern und Kopf nach vorne, und das wars - hab weder die Spritze gespürt noch danach irgendetwas.

Dann durfte ich mich niederlegen, ich wurde an beiden Armen festgeschnürt (damit ich ja nicht während der Operation nach unten fasse, ob mein Unterleib eh noch da ist :)) mein Blutdruck wurde gemessen und ich wurde an einige Messgeräte angeschlossen.
Schön langsam spürte ich meine Beine nicht mehr - ein seltsames Gefühl, wenn man plötzlich von der Taille ab abwärts nichts mehr spürt, man fühlt sich irgendwie so "halb", da war nichts mehr da ...
Dann wurde der berühmte grüne Vorhang vor meinem Gesicht zugezogen und Jürgen kam (ebenfalls mit Haube und Mundschutz) und setzte sich links neben meinen Kopf.

Mein Arzt, Dr. Kerner, kam und dann gings los - zumindest sagte mir Sigi das, denn ich spürte vom Schneiden und Auseinanderziehen der Bauchdecke gar nix.
Wenn die Hebamme nach einigen Minuten dann nicht gesagt hätte, "jetzt kommt er" und Jürgen aufmerksam machte, dass er nun fotografieren sollte, hätte ich nicht gewusst, wie weit wir sind.
Der erste Schrei - ich sah natürlich nichts - dann wurde Felix gewaschen und eingepackt und Jürgen kam mit ihm zu meinem Kopf. Ein wunderschönes Gefühl, ich konnte erstmals unseren Sohn sehen und berühren und wir beide weinten (Felix auch, nur der sicher aus Protest und nicht aus Rührung).

Tausende Leute gratulierten uns (alle mit Mundschutz, keine Ahnung, wer das war, wir wussten nicht mal welche Hebamme dabei war). Dann gingen Jürgen und Felix aus dem OP und ich wurde genäht - das war wohl der langwierigste Teil an dem ganzen, ging aber auch rasch vorbei.
Und es war recht witzig, Dr. Kerner und dem zweiten Arzt beim harmlosen Geplausche zuzuhören (nicht vom Golfspielen, sondern von einer anderen Operation). Dann verabschiedete sich Dr. Kerner noch von mir "alles gut gelaufen" und die Schwestern erledigten den Rest. Auch der Anästhesist verabschiedete sich und lobte mich für meine Ruhe und dass dadurch alles so einfach und toll gelaufen sein.

Ich wurde wieder rausgeführt und kam in den Aufenthaltsraum. Dort sollte ich auf meinen Unterleib "warten" und mich melden, falls ich etwas spüre, damit ich gleich ein Schmerzmittel bekomme. Und ich wartete auf Jürgen und Felix.
Die Zeit verging, keiner kam. Ich war schon etwas unruhig, als Jürgen endlich auftauchte und sagte, dass er nicht wisse, was los sei, man hätte ihn nicht zu Felix gelassen.
Die Schwester im Aufenthaltsraum war dann so nett, in der Geburtenstation anzurufen und so erfuhren wir, dass Felix Atmung etwas unruhig lief und er daher im Brutkasten liege. Man wartete nun auf den Kinderarzt, damit er ihn sich ansehen könnte und dann würden wir ihn bekommen. Nur tauchte der Kinderarzt urlange nicht auf (kein Wunder, bei mir im Aufenthaltsraum lagen zwei Kinder, frisch operiert, der hatte also zu tun).

Zwei Stunden mussten wir auf unseren Sohn warten, ich war schon verzweifelt, weil er ja so bald wie möglich bei der Mama sein sollte um zu trinken und ein gutes "Bonding" (Beziehungsaufbau) zu ermöglichen.
Ich war dann schon wieder in unserem Zimmer, mit einem riesigen Verband rund um meinen Bauch und eine suagfeste Unterlage für den Wochenfluß unter mir, mit tollen Thrombosestrümpfen und Schmerzmittel-Infusion, als Jürgen endlich unseren Sohn brachte - die Hebamme wollte auch nicht mehr auf den Kinderarzt warten und hatte ihn ihm einfach mitgegeben.

Das erste Anlegen zum Stillen funktionierte recht gut, wir waren jetzt wirklich Eltern! Den restlichen Tag schlief Felix sehr viel (kein Wunder nach dem Schock und nach zwei Stunden Schreien im Brutkasten) und kam nur zwischendurch zum Trinken.
Ich durfte nach der Operation nicht viel essen und bekam nur eine Karottensuppe (die wir dann brav in Felix Hose wiederfanden :)) - etwas unverständlich für mich, denn ich hatte Hunger und das Stillen zehrte ganz schön, ich hätte mehr gebraucht als nur eine Suppe.

Am Nachmittag dann die ersten Besuche (die beiden Omas, die Uroma, Tante Nina), die Felix natürlich verschlief. Der Kinderarzt sah ihn sich auch an - alles in Ordnung.
Jürgen erzählte mir noch, dass er beim Umziehen für die OP Dr. Kerner getroffen hätte und der fragte ihn, wie es mir ging. Jürgen antwortete "Naja, sie hat viel Durst und wünscht sich einen Labello" und Dr. Kerner lachte und meinte "Naja, wenn das unser größtes Problem ist ..."

Nachdem ich nicht aufstehen durfte, konnte ich nicht im Wohnzimmer mit Jürgen fernsehen und musste auch oft nach den Schwestern läuten wegen neuer Unterlage (da rinnt man ganz schön aus!), Tee (milchbildender Stilltee aus verschiedensten Kräutern, gar nicht schlecht) oder Schmerzmittel.
Und das gerade mir, die eh ein Problem mit Bedient-werden und solchen Dienstleistungen hat. Mir war das irgendwie immer unangenehm, nach der Schwester zu läuten und etwas zu verlangen ...
Man spürt es doch ganz schön und ist dann schlapp und müde und so schlief ich nach der obligatorischen Thrombosespritze rasch ein.

Freitag, 24. Juni

Die Nacht war furchtbar - weniger weil Felix trinken wollte und bei mir schlief (war einfacher, denn ich konnte ihn ja nicht aus dem Gitterbett heben und Jürgen verschläft seinen Sohn gerne :)) und auch das Wickeln war nicht so schlafhemmend (musste ja Jürgen machen - und damit hatte er das "Glück" die Windeln mit dem schwarzen Kindspech zu erwischen).

Es war nur wahnsinnig heiß - die ganze Schwangerschaft über keine Hitzewelle, aber während unserer Krankenhaustage war es unnatürlich heiß und im Zimmer sehr schwül - und mir tat der Rücken vom langen Liegen wahnsinnig weh. Ich konnte mich weder drehen noch anders hinlegen, musste also so liegen bleiben und weinte schon vor Schmerz im Kreuz.

Um halb sechs rief ich nach der Schwester - keine Antwort, auch um halb sieben kam keine (die hatten anscheinend viel zu tun). Um halb acht sah dann kurz mein Gynäkologe nach mir und als ich ihm mein Leid klagte, meinte er, kein Problem ich könne heute sofort aufstehen.
Es dauerte jedoch bis zur Visite des Arztes und der Hebamme um halb zehn, bis ich nochmals betonen konnte, dass ich es nicht mehr aushielt, ich musste aufstehen oder mich zumindest umdrehen können.
Der Arzt meinte sofort, kein Problem, machen wir, die Hebamme meinte nur "Es ist derzeit soviel zu tun, wir können nicht überall gleichzeitig sein." Schnippische Antwort des Arztes "Das sollten sie aber!" Anscheinend gab es einige "Quereleien" zwischen den Ärzten und Hebammen (das hatten wir ja schon beim "Einchecken" festgestellt, als die Hebamme von einem Kaiserschnitt abriet).

Doch wieder dauerte es bis elf Uhr, bis endlich zwei Schwestern kamen und mich vom Verband befreiten. Ich durfte dann mit Hilfe einer Schwester aufstehen (gar nicht so leicht, über die Seite und ohne Bauchmuskulatur anzuspannen, und ein bisschen weh tat es halt doch auch) und mich ins WC "schleppen".
Dort durfte ich mich waschen, Zähneputzen (immer im Schlepptau: der Blasenkatheter) und alles wurde neu bezogen: Bett, Unterlage, neue Thrombosestrümpfe (die waren am furchtbarsten: schnitten so ein und bei der Hitze extrem unangenehm).
Erst in solchen Situationen merkt man, wie selbstverständlich viele unserer Bewegungen sind und wie wichtig die zentrale Bauchmuskulatur ist.

Dann durfte ich endlich etwas essen und zwar schon im Sitzen (eigentlich bequem so ein Krankenbett mit verstellbarem Kopfteil). Es gab Gemüsestrudel in Dillsauce, eine Suppe vorher und einen Pudding - ich hasse ja Dille, aber wenn man Hunger hat, isst man alles :))
Fad wird einem im Krankenhaus ja nie: dauernd schaut wer vorbei oder fragt, ob man was braucht. Die Schwestern (alle nett, obwohl es natürlich einige gab mit denen ich besser konnte und andere, die ich nicht so "mochte"), die Kinderschwestern schauten nach, ob es mit dem Stillen klappt (ebenfalls sehr nett, aber nicht unbedingt sehr engagiert - gezeigt wurde uns eigentlich nichts, vielleicht hätten wir danach fragen sollen. Aber nachdem wir durch unsere Neffen schon Übung im Wickeln und Tragen hatten, hielten wie es eh nicht für nötig).

Eine Physiotherapeutin kam und wies mich auf die Wichtigkeit der Rückbildungsgymnastik hin - sie hinterließ mir dazu einen Zettel mit Übungen, mal sehen ob ich dazu komme :))

Felix schlief nach wie vor viel (auch die Besuche von Opa und Freunden verschlief er wieder mal) und das Stillen funktionierte recht gut. Abends konnte ich sogar etwas mit Jürgen im Wohnzimmer fernsehen und dann wurde mir sogar der Blasenkatheter entfernt (seltsames Gefühl, plötzlich wieder Harndrang zu verspüren :))
Juhu, ich bin frei und kann wieder selbst aufs WC und aufstehen und gehen - naja, fast frei, denn die Stützstrümpfe blieben mir ja, ich ging wie ein altes Weib und war ungeduscht und verschwitzt.

Samstag, 25. Juni

Die Schmerzen waren eigentlich vorbei, dennoch war die Nacht sehr unruhig. Einerseits durch den Straßenlärm - wir mussten ja die Fenster offen lassen bei der Hitze (ich versteh die Klosterneuburger nicht: bei den Kurzparkzonen sind sie urschnell und fix, da musste Jürgen wegen ein paar Minuten schon zahlen, aber an die Ruhe rund ums Spital hält sich keiner, geschweige denn das Lokal an Ruhezeiten beim Draussen-sitzen).

Andererseits hatte Felix seinen ersten großen Auftritt mit Schreistunde von eins bis halb drei Uhr. Und erstmals stellten wir fest, dass es gar nicht leicht ist, da ruhig zu bleiben. Er hatte getrunken, eine frische Hose, was noch? Blähungen? Zu heiß?
Da waren die Kinderschwestern ja auch komisch und vertraten keine einheitliche Linie: die eine zog ihm immer nach dem täglichen Abwiegen einen dicken Frotteestrampler über den Body an, die andere wieder sagte, es sei viel zu heiß, wir sollten ihn nur im Body lassen.

Anscheinend funktionierte das Stillen nicht so gut - Felix wollte nicht richtig saugen, sich also nicht anstrengend und war dann extrem ungeduldig und daher laut, weil ihm die Milch nicht gleich in den Mund floss wie erhofft.
Noch dazu tat es ganz schön weh, wenn der Kleine die ersten Züge machte und ich war gar nicht richtig entspannt beim Stillen.
In der Schwangerschaft hatte ich mich oft gefragt, ob das mit dem Stillen klappen würde - nur man denkt eigentlich nur daran, ob man (genug) Milch hat oder nicht. Dass das ein Vorgang ist, denn sowohl die Mutter als auch das Baby erlernen müssen, sagt Dir keiner. Immer wird der Eindruck erweckt, Mütter können instinktiv eh alles und das klappt schon!

Der Tag verlief dann aber ruhig und gut, vor allem: ich durfte endlich duschen. Welch eine Wohltat, ich fühlte mich wie neugeboren und auch das Gehen und Aufstehen ging schon viel besser.
Wir hatten wieder Besuche (zweiter Opa, weitere Freunde), zum Essen gab es Kalbsgeschnetzeltes mit Reis und Karotten (die wieder mal in Felix Hose landeten) und ich durfte einige Stuhltropfen einnehmen, um auch meine Verdauung wieder in Gang zu bringen.

Überraschung beim Abwiegen im Kinderzimmer: Jürgens Papa erkannte in der heutigen Kinderschwester Elisabeth "Sissi" Pröll, die Ehefrau vom NÖ-Landeshauptmann.
Eine wirklich sehr liebe, gepflegte Dame, die mir ein Stillhütchen für die wunden Brustwarzen gab und dann per Telefon ihrem "Erwin" einen schönen Tag wünschte (ursüss :))

Sonntag, 26. Juni

Der Milcheinschuss ist da (bis jetzt gabs ja nur die Vormilch) und irgendwie dürfte Felix gar nicht damit zurecht kommen. Er tut sich beim Trinken schwer, schreit daher viel, weil er hungrig ist, ich bin gestresst und unsicher, das Stillhütchen verrutscht immer und ist ein Käse, wir sind verzweifelt.

Die heutige Kinderschwester jedoch ist ganz super - sie wirkt zwar etwas "hantig", weil sie sehr resolut ist und Felix ziemlich "brutal" in eine Windel einwickelt und an die Brust drückt (Jürgen war da sehr schockiert, worauf sie sich bei ihm entschuldigte :)), aber sie erklärte uns eben, dass Kinder das Stillen auch lernen müssen und man da sehr strikt sein muss, um ihnen Richtung und Sicherheit zu geben.
Und er muss selbst saugen, mehr als ihm die Milch und meine Brust zu bieten, kann ich nicht tun. Sie riet mir dann auch vom Stillhütchen ab und bat um Geduld, die Brustwarzen würden sich schon einstellen aufs Stillen.

Dann durfte Jürgen Felix das erste Mal Baden, es wurde ein Hörtest gemacht (wo unser Sohn sich wieder mal richtig Zeit ließ, um ein positives Ergebnis zu liefern :)) und ihm wurde Blut aus der Ferse für die ersten Untersuchungen entnommen - kein Muckser, auch das Baden taugte ihm, das Wickeln ist halt immer eher mit Schreien verbunden.
Mir taugte Kinderschwester Elfie, weil sie sehr engagiert war und von sich aus uns Sachen erklärte und zeigte, während die anderen Schwestern oft nur vorbei kamen und fragten, ob alles okay sei - nur wenn man nicht weiß, was "normal" ist und was nicht, kann man schlecht nach etwas fragen.

Zu Mittag gabs Schnitzel, meine Mama hatte uns Kuchen gebracht und abends beim Buffett durfte ich auch richtig zulangen (Stillen ist eine gute Ausrede fürs Schlemmen :))
Am Abend hatte mich etwas der Baby-Blues: ich war müde, bissi überfordert weil das Stillen nicht so einfach klappte, die Narbe schmerzte etwas - ich war richtig froh, dass Jürgen da war, vor allem abends und nachts, damit ich mich nicht so alleine fühlte.
So beschloss Jürgen dass er bis Ende meines Aufenthalts (geplant bis Mittwoch) da blieb und nicht nur die ersten zwei, drei Tage.

Montag, 26. Juni

Eine furchtbare Nacht - von zwei bis sechs Uhr früh nur stillen, Felix schreien, beide konnten wir nicht schlafen. Er war einfach zu ungeduldig und ich dann auch verzweifelt und müde.
Die Nachtschwester, die ich dann zur Hilfe aufsuchte, war total unsympathisch - obwohl es saukalt im Kinderzimmer war, riss sie Felix sofort jede Kleidung vom Leib und meinte "wenn ihm kalt ist muss er arbeiten und trinkt dann auch" und ließ mich dann wieder alleine mit ihm. Mir liefen die Tränen runter, ich war müde und verzweifelt.

Bei der morgendlichen Visite dann der nächste Tiefschlag: mein Arzt hatte Dienst und meinte, ich sei zu weinerlich und blass, so könne er mich Mittwoch nicht nach Hause gehen lassen.
Für mich brach eine Welt zusammen, denn im Krankenhaus wollte ich nicht bleiben, da könnte ich meiner Meinung nach nicht gesund werden (damals habe ich meinen Arzt nicht verstanden - jetzt weiß ich, dass er Recht hatte, denn zuhause ist man alleine und hat niemanden zum Fragen, Unterstützen und Zeigen).

Erst wenn die Stillprobleme beseitigt seien und ich besser drauf, sollte ich heimgehen. Die Hebamme meinte gleich, "naja, in den nächsten zwei Tagen kriegen wir das sicher hin!" und Dr. Kerner meinte noch, wenn es mit dem Stillen nicht klappe, dann solle ich es bleiben lassen.
Seine Tochter sei auch nicht gestillt worden und sei auch gesund und munter (was ihm einen bösen Blick der Hebamme einbrachte, denn für die ist ja Stillen das Um und Auf. Bei allen meinen Stillproblemen und meiner Verzweiflung hat nie eine jemals Zufüttern oder Flascherl erwähnt, die wollten einfach, dass ich das durchdrücke und stille).

Mir wurde Blut entnommen und am Nachmittag sollte dann weiter entschieden werden, je nachdem wie ich drauf sei. Natürlich war ich wirklich weinerlich, aber vor allem einfach hundemüde.
Nach einem Nachmittagsschlaf suchten wir dann den Babypoint im Krankenhaus auf (zweimal die Woche ist dort ein Beamter des Klosterneuburger Standesamtes da, um die Geburtsurkunde auszuhändigen). Der Beamte war nicht besonders freundlich, man sah ihm an, dass er nicht begeistert war bei der Hitze zu arbeiten.

Als die Kinderschwester dann nochmals vorbei schaute, waren Felix und ich gerade wieder im Stillkrieg, er schrie, ich wusste nicht mehr was tun - sie gab ihm daraufhin einige Sab-Tropfen (an sich Tropfen gegen Blähungen, aber auch gut um Babys zu beruhigen) und einen Schnuller, den er zwar rasch wieder ausspuckte, aber er beruhigte sich und schlief dann ein.
Ich wurde dann ruhiger und irgendwie klappte es dann doch noch mit dem Stillen - anscheinend war Felix der Knopf aufgegangen. Noch dazu lernte ich auch, dass sein unruhiges Strampeln beim Trinken meist auf Blähungen hinwies und ich eben ihm nicht dauernd die Brust als Trost "reindrücken" durfte. Bei Hunger lag er ganz ruhig bei mir und trank brav.

Und als Dr. Kerner abends nochmals vorbei schaute, war ich schon viel besser drauf und er meinte, natürlich könne ich Mittwoch heim, wenn es mir gut geht.
Als Felix dann wieder beim Trinken etwas zetterte, ging ich mit ihm wieder vor zum Kinderzimmer, um um Hilfe zu bitten - es war jedoch niemand da, keine Seele im ganzen Stock.
Als ich dann im Kinderzimmer (in der Kühle und Ruhe) das Stillen versuchte, wusste ich gleich, wieso alle weg waren: es gab eine Geburt und die Schreie der angehenden Mutter hallten durch die Gänge.
Mir lief es echt kalt den Rücken hinunter und ich muss echt zugeben: ich war froh, dass ich das nicht durchmachen musste, irgendwie war es echt furchterregend.

Dienstag, 27. Juni

Eine tolle Nacht: nach ein wenig Blähungen und Übungen mit den Füßen, trank Felix brav und schlief gegen zehn Uhr ein - und bis fünf Uhr früh durch! (so um zwei Uhr regte er sich zwar in seinem Bettchen, als ich ihn jedoch zu mir nahm, um ihn trinken zu lassen, schlief er einfach bei mir weiter).
Und nach erneutem Trinken schlief er wieder bis halb neun - ich war erleichtert, anscheinend hatten wir einen Durchbruch beim Stillen geschafft.

Bei der Kinderschwester wurde etwas Gelbsucht bei ihm festgestellt (nicht beunruhigend) und er hatte bereits zugenommen, also alles in Ordnung.
Die morgendliche Visite artete in einen "kaiserlichen" Besuch aus: plötzlich standen drei Ärzte und drei Schwestern bei mir im Zimmer, darunter auch der Vorstand des Krankenhauses, Prim. Dr. Stopfer. Er fragte mich, wie es mir geht und dann wurde festgelegt, dass ich morgen die Naht entfernt bekäme und dann nach Hause dürfe. Jippie!

Bei der ersten kinderärztlichen Untersuchung wurden Felix Ohren, sein Hals und nochmals seine Gelbsucht überprüft und der erste Hüfturltraschall durchgeführt (den hasste er und konnte sich auch mit Schnuller nur schwer beruhigen, damit endlich ein gutes Ultraschallbild gemacht werden konnte).
Zum Mittagessen gab es Kochsalat mit Erbsen als Stillmenü - ein überhaupt nicht blähendes Essen, ich war echt verwundert! Als wir die Schwester danach fragten, meinte sie auch "Ja, ich wundere mich auch, was die Küche immer als Stillmenü anbietet".

Stillen läuft super, Felix schläft meist drei Stunden durch. Als Kinderschwester Dana abends nochmal vorbei schaute, lobte sie mich für meine Geduld und ich strahlte, weil es jetzt wirklich gut klappte.
Hier hatte mir Schwester Dana wirklich gut getan, weil sie mir die Sicherheit gab, dass diese Stillprobleme anfänglich normal sind und ich dadurch ruhiger wurde. Und eine sichere Mama gibt auch dem Kind Sicherheit und Ruhe.

Mittwoch, 28. Juni

Der Entlassungstag, juhu. Felix wurde nochmals abgewogen (nach dem normalen Abnehmen gleich nach der Geburt hatte er wieder sein Ausgangsgewicht der Geburt 3250 g erreicht und durfte damit heim), ich bekam die Naht gezogen und dann gings ab nach Hause.
Als wir das Krankenhaus verließen - ich das erste Mal nach 7 Tagen) - fühlte ich mich wahnsinnig frei und das erste Mal mit dem MaxiCosi im Auto war ein seltsames, erhebendes Gefühl. Jetzt begann die Zeit als Mama und Papa erst richtig.

Apropos MaxiCosi: da sag noch einer, das ist die sicherste Transportvariante für ein Baby. Felix war irgendwie noch zu klein dafür, rutschte ziemlich weit runter und lag irgendwie verloren da drinnen. Für uns nur unbequem und herzergreifend arm.

Fazit des ganzen "Erlebnisses" Geburt

Das Krankenhaus Klosterneuburg ist sicher nicht besser oder schlechter als andere Krankenhäuser und daher nicht mehr oder weniger empfehlenswert.
Es ist nun mal immer subjektiv, wie wohl man sich in einem Spital fühlt bzw. hängt es sicher davon ab, wie die Geburt verlaufen ist. Bei einer schlechten Gebursterfahrung wird man auch immer das Krankenhaus in schlechter Erinnerung behalten.

Klosterneuburg ist vom Service und vom medizinischen Wissen her sicher top, super ist auch dass der Partner rund um die Uhr bei einem sein kann, das gibt viel Sicherheit und Ruhe.
Das Chaos und teilweise der "unmenschliche" Umgang mit Patienten ist sicher in allen Krankenhäusern so. Ich denke einfach, das ist ein Zeichen unserer Zeit (Technik vor Menschlichkeit) und typisch für unser Gesundheitssystem: viele Termine bzw. Patienten, zuwenig Personal, zuwenig Zeit.

Die Ärzte, Hebammen, Schwestern und Kinderschwestern sind wirklich alle sehr nett, mit manchen kann man menschlich besser als mit anderen (bei den Kinderschwestern vor allem Elfie und Dana und Frau Pröll, bei den Hebammen hatte ich eine ganz liebe, junge, deren Namen ich leider nicht weiß).

In der Nacht ist es halt schwer, wenn eine Schwester Dienst hat, die nicht so gut drauf ist oder die man nicht so gut leiden kann - natürlich ist Nachtschicht nie leicht und keiner will da recht viel zu tun haben. Nur ich wollte dann teilweise nicht mal vorgehen bzw. um Hilfe bitten, weil ich wusste dass die oder die Schwester Dienst hatte.

Zum Kaiserschnitt kann ich nur sagen: je lockerer und ruhiger man ist, desto unkomplizierter wird es verlaufen. Man darf halt nicht etwas Bestimmtes erwarten oder sich durch andere Erfahrungen beunruhigen lassen, sondern sollte ganz ruhig in das "Erlebnis" hineingehen.
Für mich wars wirklich eine Erfahrung (wie lernt man sonst Blasenkatheter, Einlauf, PDA etc. kennen?:)) und ich bin froh, dass alles so super verlaufen ist.