MarioDer Kaiserschnitt

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Die Nacht zum 03. Dezember verlief unruhig und war kurz - weniger aus Nervosität heraus, sondern weil wir erst sehr spät ins Bett gingen und Felix mit Husten und Schnupfen oft munter wurde (und dann um sechs Uhr früh natürlich nicht aufstehen wollte ...)
Gottseidank war der Frühverkehr nicht so schlimm wie gedacht, sodass wir um 8 Uhr pünktlich im Krankenhaus ankamen - und mit Freude sogleich das Familienzimmer beziehen konnten.
Einziger Wermutstropfen: laut neuer Bestimmungen darf eine "frische" Kaiserschnitt-Mama die erste Nacht nach der Operation nicht zu weit von der Station entfernt verbringen, d.h. in der ersten Nacht muss ich mit Mario in einem anderen Zimmer schlafen, während Felix und Jürgen schon im Appartment übernachten :(

Der Vormittag verging wie erwartet wie im Fluge - mit letzten Untersuchungen (CGT, Blutdruck messen etc.) alle möglichen Fragen beantworten (mindestens drei verschiedene Abteilungen brauchen ja alle die gleichen Infos?) und den bekannten Vorbereitungen für den Kaiserschnitt - Rasur (Jürgen hatte aber gut vorgearbeitet :)), Katheter setzen, umziehen, Infusion setzen und dann gings schon los - früher als erwartet, eine Stunde vor dem Termin um 11 Uhr wurde ich abgeholt zur OP.
Felix war übrigens super, er durfte im Appartment fernsehen (wir sind natürlich voll ausgestattet ins Krankenhaus gefahren :)) und seine Tante beschäftigte ihn, während ich auf die OP vorbereitet wurde. Jürgen kam mit unserer Hebamme Anna-Maria nach.

Im Vorbereitungsraum - der mir dieses Mal viel größer vorkam als bei Felix Geburt - nette Ärzte und Assistenten, die freundlich auf mich einredeten, mich vorbereiteten und dann in den OP fuhren (auf dem bekannten viel zu kleinem "Bett"). Ein ganz neuer, großer Saal übrigens - oder ist in der Erinnerung an meinen ersten Kaiserschnitt sowieso alles kleiner, familiärer, anders?
Witzig: im OP lief Musik und gerade als es an das Setzen der Spinale ging, eines meiner derzeitigen Lieblingslieder "Apologize" von Timbaland :)

Die Spinale selber kam mir etwas "schmerzhafter" als beim letzten Mal vor, aber weit entfernt von richtigem Schmerz, also eigentlich okay. Dann hingelegt, Blutdruckmesser angelegt, Beine und Arme festgesurrt - ich kam mir wieder vor, wie Jesus am Kreuz ...
Und ich wartete auf das Kribbeln in den Beinen, das Gefühl, keinen Unterleib mehr zu haben - eben wie bei Felix Kaiserschnitt. Doch das Gefühl kam nicht, die Beine wurden nur etwas warm, aber ansonsten spürte ich alles. Auf meine Frage hinauf, wurde ich beruhigt mit den Worten "Berührungen und Druck können sie spüren, Schmerz darf aber nicht sein".
Jürgen war mittlerweile auch da, hielt meine Hand, an der anderen Seite meine Hebamme, ich war an sich ruhig und weder nervös, noch ängstlich.

Dann kam schon mein Frauenarzt (sein erster Arbeitstag nach der Achillessehnen-Geschichte :)) und zupfte an meiner Narbe herum - anscheinend einige Härchen oder verbliebene "Reste" der letzten OP. Auch diese kleinen "Stiche" spürte ich, war aber noch nicht beunruhigt.
Erst als er zu schneiden begann, dachte ich mir "Da stimmt etwas nicht" - es war zwar gottseidank kein Schmerz um Aufzuschreien, aber es schmerzte! Die Anästhesistin war sofort an meiner Seite und sagte "Ich gebe ihnen was" ... Und das war das letzte, an das ich mich erinnern kann - ich verschlief die ganze Operation!

Ich wurde "munter" - wenn man es so nennen mag - mit seltsamen Gedanken und Eindrücken. Ich hörte Stimmen, fühlte mich schweben, dachte irgendwie an Engel oder Schatten, wusste weder wo ich war noch wer. Irgendwie muss es so sein, wenn man zwischen Leben und Tod schwankt oder im Koma liegt (ich weiß, makaber, aber es war irgendwie so - einerseits seltsam, andererseits aber auch friedlich, ruhig, ich war total entspannt - zugedröhnt halt :))
Langsam kam das Bewusstsein zurück und die ersten "Sorgen" - warum hatte ich eine Vollnarkose bekommen? Wobei ich nicht sogleich realisierte, dass ich auf ein Mittel hinauf eingeschlafen war - ich dachte in meinem Dusel zuerst wirklich, ich wäre einfach aus Müdigkeit bei der OP eingeschlafen :)
War etwas mit Mario oder mit mir passiert und daher die Narkose? Und wie ging es Felix? Wie lange hatte ich geschlafen? 3 Stunden? 4?

Ich war noch immer nicht ganz bei mir, da kamen Anna-Maria, Jürgen und Mario zu mir herein - ich bekam den nackten Mario auf meinen Oberkörper gelegt, wir wurden etwas abgeschirmt und durften zu dritt die ersten Momente genießen. Das war wirklich der wunderschönste Moment für mich. Jürgen war sehr gerührt und meinte in der ersten Euphorie "Ich glaube, da möchte ich schon noch ein drittes" :) (Das hat sich natürlich wieder relativiert angesichts der ersten Tage mit Baby :))
Mario durfte dann auch gleich das erste Mal den Busen genießen - es klappte sofort (Felix brauchte ja damals 3 Tage, war aber auch nach der Geburt für drei Stunden von mir getrennt).

Seit der Geburt waren übrigens "erst" 45 Minuten vergangen und es war alles in Ordnung - Jürgen erzählte mir später, dass Mario richtig "rausgeruckelt" wurde aus meinem Bauch und nicht sofort schrie. Er hatte anscheinend auch etwas von der Narkose abbekommen, aber nach etwas Sauerstoffzufuhr, war sofort der erste Schrei da und die Erstuntersuchung war ebenfalls ohne Auffälligkeiten.

Dann wurde ich in mein Zimmer geführt, Mario blieb bei mir und Jürgen holte Felix - der ganz brav und ohne weinen bei seiner Tante am Zimmer war. Ich freute mich wahnsinnig, dass es so super geklappt hatte und dass ich meinen kleinen Großen in die Arme nehmen konnte.
Ansonsten fühlte ich mich noch schlapp und müde, aber glücklich. Was da genau gelaufen war, habe ich sowieso bis jetzt noch nicht ganz verstanden - ich habe die Geburt meines zweiten Sohnes verschlafen! Ich sehe es aber weder wütend, noch traurig noch frustrierend - eigentlich bin ich froh, dass alles so gut gelaufen ist und wir beide wohlauf sind.

Der Tag danach

Die Nacht und der der darauffolgende Tag nach dem Kaiserschnitt waren schon wie bei Felix Geburt einfach nur Schei... und die furchtbarsten im Krankenhaus.
Es war weniger Mario, der mich fast die ganze Nacht wachhielt, sondern einfach ein total überhitztes Zimmer. Warum muss in einem Krankenhaus, das eigentlich wissen sollte, wie wichtig ein gutes Raumklima ist, so eine heiße, trockene Luft herrschen????
Ich schwitzte total, Mario hatte ich neben mir liegen bzw. holte ihn aus seinem Bettchen immer wieder zu mir, das war zusätzliche Hitze. Die Schwester musste ihn zweimal wickeln (Kindspech sei dank) und auch als die Heizung auf meinen Wunsch abgedreht wurde, verlief die Nacht nicht angenehmer.

Mein Zimmer lag ja direkt gegenüber der Station und so bekam ich die ganze Unruhe einer geburtenreichen Nacht mit - Aufnahme, CTG, unruhige Männer, SMS hin- und herschreiben ... Fazit: diese Nacht schlief ich eigentlich fast gar nix, obwohl ich von der OP hundemüde war. Man könnte natürlich sagen, eine gute Vorbereitung auf die Zeit mit Mario, aber um fünf Uhr früh war ich eigentlich nur mehr sauer! Vor allem weil die Schwester auch mehrmals reinschaute und fragte, ob ich was brauchen würde - ist ja nett, wenn man umsorgt wird und ich weiß, sie muss es tun, aber bitte: wie soll man da schlafen?????

Um sechs Uhr dann hatte ich genug, die Schwester kam und wir erledigten sofort die erste Aufgabe des Tages: Katheter runter, Claudia darf aufstehen und aufs WC humpeln. Duschen durfte ich zwar noch nicht, aber ich wurde gewaschen und die ersten Schritte verliefen erfreuerlicherweise ohne Schmerz und sogar besser als nach Felix Kaiserschnitt.
Ich schrieb dann Jürgen gleich eine SMS, dass ich munter wäre und um sieben Uhr hörte ich schon meinen kleinen Felix am Gang brabbeln :)

Jürgens Nacht war natürlich auch nicht besonders - Felix war am Vorabend bei mir eingeschlafen, wie auch zuhause, in meinem Arm nach dem Buch lesen, Jürgen trug ihn schlafend ins Appartment. Aber leider wurde Felix mehrmals nachts munter, suchte mich, hustete, war verzweifelt und erst nach einigem Hin und Her zu beruhigen - also hatten wir alle drei nicht besonders viel geschlafen und waren an diesem Tag dementsprechend grantig und müde.
Wenigstens wurde ich dann sofort ins Familienappartment verlegt, in ein ruhigeres, kühleres Zimmer und vor allem: zu meinen Lieben.

Den restlichen Tag verbrachten wir alle vier eher schlafend - bzw. eigentlich erst den Nachmittag, denn vormittags kann man in einem Krankenhaus nicht schlafen. DAUERND kommt jemand und will etwas. Die Kinderschwester kommt und fragt, wie es geht, wie es mit dem Stillen klappt, die Hebamme fragt nach dem Befinden, die Visite kommt, die Schwester bringt was oder braucht was, die Physiotherapeutin quält einen mit Tipps für Rücken, Narbe und Beckenboden (ist ja wichtig und gut, aber muss das am ersten Tag nach der OP sein???) ...

Noch dazu hatte ich durch die "nette" heiße Nacht einen tollen Husten aufgerissen - so richtig schön trocken, der bis in die Wunde hinunter ging :( Ich war also müde, krank, genervt (Felix war auch durch seine Müdigkeit dementsprechend anstrengend) und irgendwie wollte ich wieder zurück in die Narkose ...
Wenigstens Mario ist echt ein wunderbares Kind - er schläft viel, weint wenig, trinkt brav, wenn auch noch nicht ganz "richtig". Anscheinend müssen wir beide das Stillen erst (wieder) lernen. In 20 Monaten Felix stillen hatte ich nie Probleme - dieses Mal tat mir die Brust sehr weh vom Milcheinschuss und die Warzen waren voller Wunden, weil Mario nicht gleich richtig anzieht.

MarioEs geht aufwärts

Ab dem zweiten Tag ging es immer besser. Zwar quälte mich nach wie vor der Husten (und die vielen Besuche von Ärzten, Schwestern und Co., die einen vom Schlafen abhielten), aber die Narbe schmerzte immer weniger, ich war immer mehr auf, konnte mir schon selbst das Essen holen, abends mit Jürgen fernsehen, mit Felix spielen ...

Für Felix wurde es übrigens auch leichter, nachdem ich wieder im Zimmer bei ihnen war. Er schlief wieder durch und war untertags super brav. Er fuhr sogar mit Jürgen aus, nach Hause Katzen versorgen oder Oma besuchen und war dann abends froh, wieder "zu Mama" fahren zu können.

Mario ist untertags ein tolles Kind, er schläft eben sehr viel, ist ruhig, das Stillen funktioniert auch immer besser. Nur die Nächte sind etwas unruhig - aber vor allem, weil ich diese Krankenhausbetten hasse!!! Ja, man kann sie super-toll umstellen, einstellen, umlegen, was weiß ich - aber ich finde nun mal keine richtige Position, in der ich bequem liege, bequem stille oder gar bequem schlafe.
So schlafe ich bei Jürgen und Felix im Familienbett und stille Mario, wenn er nachts kommt, im Krankenhausbett total aufrecht - Mario benötigt ja noch Hilfe, um die Warze zu finden und das geht nur, wenn wir beide mehr sitzen als liegen. Und nachdem das Stillen doch länger dauert, sind wir doch so 45 Minuten munter, bis Mario wieder schläft - ca. drei, vier Stunden bis zur nächsten Wachphase.

Ich bin also noch immer müde - aber erklärtes Ziel: am Freitag, vor dem Wochenende, heim zu dürfen. Und daher kein jammern, arbeiten an Kreislauf, gutem Gehen, Narbe schonen, keinen Babyblues bekommen (was in der Krankenhaus-Atmosphäre schon schwer genug ist), damit ja nichts dagegen spricht, am fünften Tag nach Hause zu dürfen.
Nach Hause - ins eigene Bett, in den eigenen Rhythmus, in die Ruhe.

Positiv und negativ

Es ist soweit - es ist Freitag und wir dürfen nach Hause, juhu. Nachdem ich mich so gut "entwickle" und quasi aussehe und gehe, als wäre ich nie operiert worden, darf ich am fünften Tag wie erhofft heimfahren. Auch Mario ist so toll beinander - er nimmt zu, alle Werte sind gut, Stillen funkt (und meinen Warzen geht es auch schon besser) und genau wie Felix wollen wir nur "nach Hause"!

Zeit für ein Resümee dieser Geburt, dieses Kaiserschnitts, dieser Tage:

POSITIV
- Es war toll, dieses Mal eine Hebamme dabei zu haben, die man kennt und der man voll vertraut. Anne-Marie war wunderbar, immer für mich da, obwohl sie dieser Tage viele weitere Geburten hatte. Sie war es auch, die unsere erste wichtige Dreisamkeit im Aufwachraum durchsetzte (denn normal darf dort kein Baby hinein).

- Der Kaiserschnitt an sich, obwohl er anders verlief als gedacht, war eigentlich auch okay, gottseidank ohne Probleme, schnell vorbei und ich bin mir sicher, genauso unkompliziert nachher wie bei Felix. Und auch wenn es seltsam klingt: die "Erfahrung" Vollnarkose war auch etwas Neues, Interessantes für mich.

- Meine drei Männer - ich bin stolz auf jeden von ihnen. Jürgen, weil er mir so toll half, immer da war, sowohl Felix als auch Mario betreute und mir einfach Kraft gab, weil er da war (und das Familienzimmer ist wirklich nicht billig!). Felix, weil er mich überraschte - er war nie beleidigt wegen der einen Nacht ohne mich, er ist nicht eifersüchtig auf Mario (er negiert ihn eher :)) und war dieser Tage einfach ein süßes Kind. Und Mario ist sowieso eine Überraschung - nachdem ich ja mit Felix ein Wenig-Schläfer-Kind hatte und habe, bin ich mehr überrascht, jetzt so ein ruhiges Kind zu haben.

- Einige Annehmlichkeiten des Krankenhauses gibt es natürlich schon: dreimal am Tag bekommt man (wirklich gutes) Essen, muss sich nicht um Putzen oder Kochen kümmern, mehr als Schlafen, Lesen und Musikhören kann man eh nicht tun.

NEGATIV

- Der Krankenhausalltag lässt einen aber nicht immer zur Ruhe kommen, weil eben dauernd wer kommt, wer was braucht, richtiggehend Stress hat man bis zum Mittagessen. Und die Betten sind wie gesagt, meiner Ansicht nach verbaut oder nie richtig erklärt ...
So macht das "Kranken"haus seinem Namen wirklich Ehre - man kann hier nicht gesund werden!

- Die Verkühlung will nicht weggehen, der Husten ist lästig und schmerzt. Und nehmen kann ich ja auch nicht viel. Ich wünschte, es gäbe ein Wundermittel, das man abends einnimmt und morgens ist man gesund.

- Die Unorganisiertheit im Krankenhaus wurde wieder am Abreisetag sichtbar - schon am Vortag wussten alle, dass ich am nächsten Tag heimdurfte und ich sollte auch schnell, wenn geht schon um neun Uhr morgens entlassen werden, weil das Zimmer gebraucht wurde. Aber um neun Uhr zu gehen war unmöglich, weil weder die Entlassungspapiere von mir noch die von Mario fertig waren! So zog es sich bis 10 Uhr, bis wir endlich den Nachhauseweg antragen - hinein ins neue Leben zu viert!

Die Nachwirkungen

An sich dachte ich, ich hätte Kaiserschnitt (und Vollnarkose) gut überstanden, genauso wie damals bei Felix. Körperlich ging es mir gut (ausser natürlich der normalen Müdigkeit mit einem Baby) und ich fühlte mich weder gestresst, noch überfordert, einfach nur glücklich, zwei so tolle Kinder zu haben und einen wunderbaren Mann, der mir sehr viel abnimmt.
In dieser Nacht - ziemlich genau eine Woche nach dem Kaiserschnitt - wurde ich eines Besseren belehrt ...

Um ein Uhr früh, ca. eine Stunde nach dem Schlafengehen, wachte ich schweißgebadet auf mit einer ziemlich schlimmen "Panikattacke" - ich hatte starke Beklemmungs- und Angstgefühle, Druck im Brustkorb, etwas Übelkeit, ich kam mir vor wie ein unruhiger Wolf im Käfig, konnte nicht ruhig sitzen oder gar liegen (im Liegen wars am schlimmsten), ich lief herum, musste unbedingt Licht machen, im Dunkeln wurde es ganz furchtbar. Nichts konnte mich beruhigen, kein Baldrian, kein ruhiges Einreden oder Halten von Jürgen, selbst das Stillen von Mario holte mich nur sehr kurz runter.

Als es nach einer Stunde noch immer nicht vorbei und an Schlaf nicht zu denken war, bat ich Jürgen mit mir ins Krankenhaus zu fahren - ich hatte echt Angst, kurz vor einem Herzinfarkt zu stehen.
Die Kinder waren mittlerweile auch beide munter (Mario sowieso und Felix dann auch, der glaubte, es sei schon Zeit aufzustehen), also alle angezogen und ins Krankenhaus - Jürgen war überhaupt nicht begeistert, weil er meinte, die könnten mir eh nicht helfen und er war auch müde und grantig.

Wir fuhren ins Kaiser-Franz-Josef (eigentlich ein total verrufenes Krankenhaus, aber es war einfach das nächstgelegene) - um drei Uhr früh ist dort wirklich nicht viel los. Noch dazu kommt man aus der Parkgarage heraus, steht quasi im dunkelsten Eckerl und muss lange zur Aufnahme hingehen.
Dort war noch ein Typ vor mir, dann kam ich dran - die Schwester beim Aufnahmeschalter war übrigens total unfreundlich und nicht willig, die Ärztin dafür seeeeehr nett. Felix wollte unbedingt mit mir mit, und sie hat ihn unterhalten bzw. er durfte immer bei mir sein. Jürgen bliebt währenddessen mit (wachem!) Mario im Aufnahmeraum.

Die Ärztin machte bei mir ein EKG, Blutdruck messen, Lunge abhören - alles in Ordnung. Dann nahm sie noch Blut ab, das Ergebnis hätte dann 1-2 Stunden gedauert. - ich hab aber gesagt, das sei unmöglich mit den Kindern. Sie meinte, Jürgen könne ja mit den Kindern heimfahren und ich bleibe da, das wollte ich allerdings auch nicht, also sind wir wieder nach Hause gefahren. Also eigentlich eine total unnötige Aktion :( Ein Medikament geben konnte die Ärztin mir ja nicht wegen dem Stillen, sie hat mir aber ein paar Tipps (Entspannungstee, Wasser trinken, autogenes Training) mitgegeben.

Beim Heimfahren wurde die Angst wieder stärker - Angst, dass es zuhause wieder nicht weg ginge und ich nicht wusste, wie ich schlafen sollte oder mich selbst beruhigen. In der Garage hätte ich am liebsten nur geheult, weil es wieder so stark war.
Und dann plötzlich in der Wohnung wollte Mario stillen und Felix schrie, weil er nicht verstand, dass wir schon wieder ins Bett gehen - und witzigerweise bei diesem Stress wurde ich total ruhig, kuschelte mit den beiden im Bett, Liegen ging, es war alles weg, auch im Dunkeln. Felix schlief dann wieder ein, Mario stillte ewig und schlief dann eben bei uns im Bett - und ich schlief auch ruhig und schnell ein, bis halb zehn morgens (ab fünf Uhr früh allerdings erst).

Ich habe versucht, viel darüber nachzudenken bzw. morgens war die Angst da, dass es am Abend wieder so wird und ich versuchte einfach, Gründe zu finden, um vorbereitet zu sein.
Ich habs wirklich nicht verstanden, WARUM das kam. Ich fühle mich nicht gestresst, ich bin glücklich, liebe meine zwei Kinder so sehr, Jürgen hilft mir total, es ist einfach derzeit wunderschön, Familie zu sein. Und soooo viel mache ich nebenbei auch nicht, okay, bissi computern (aber privat, halt die ganzen bürokratischen Dinge erledigen), kochen ist eher Tiefkühlkost, also ich verstand echt nicht, wieso diese Stress-Überforderungsreaktion.

Im Gespräch mit einer Freundin wurde mir jedoch einiges klar - es spielte sicher eine Rolle, dass ich die vorherige Nacht fast nichts geschlafen und mich dann untertags auch kaum hingelegt hatte. Also doch auch Stress. Und die Angst, dass diese Nacht wieder so wird, ich alleine mit Mario munter bin und herumwandle (daher sicher auch die Angst vorm Dunkeln).
Aber ich glaube jetzt auch fest, dass dies eine Reaktion auf den Kaiserschnitt bzw. vor allem die Vollnarkose ist - ich dachte nicht, dass dies bei mir sein könnte, weil meine Kaiserschnitte ja immer "freiwillig" bzw. geplant waren und so super verlaufen sind Aber die Seele muss anscheinend verarbeiten, dass ich weggetreten war, dass ich nicht wusste, was da in der Narkose passiert ... Daher auch die Angst vorm Dunkeln und Liegen.

Ich weiß nicht, wie es weiterhin wird - aber ich habe keine Angst mehr davor. Ich habe mir Notfalltropfen und Bachblüten besorgt für den Fall, habe also etwas zur Beruhigung, ich weiß, dass es nicht körperlich ist und mein Herz nicht in Gefahr (also reine Kopfsache), und ich weiß, dass es auch nicht mit Marios unruhigen Nächten zusammen hängt bzw. wie ich darauf reagieren kann - er will halt nachts dauernuckeln und dann bei uns schlafen. Er schläft untertags viel, wirklich oft vier Stunden in einem, und da muss er nachts das Trinkpensum nachholen.

Die Verarbeitung

Am Abend hatte ich wieder einen leichten Anflug von "Angst" - aber eher Angst, dass dieser furchtbare Zustand wieder kommt. Und alleine das denken an die vorherige Nacht oder auch das Schreiben dieser Zeilen verursachte mir ein ungutes Gefühl.
Und ich spürte, dass mein vegetatives Nervensystem total durcheinander ist - mir war abwechselnd heiß und kalt, am Brustkorb bekam ich einen komischen Ausschlag, Kopfweh, Weinen ohne Grund - wie in der Schwangerschaft. Aber irgendwie erleichternd, also verarbeitend. Und es wurde nicht ärger, bzw. ich versuche mich damit auseinander zu setzen.

Die Nacht war dann echt super, unsere erste gute Nacht zuhause - um elf ins Bett (Mario war von neun bis elf mit uns munter und schaute viel), gestillt, dann um halb drei wieder und um halb sieben und dann um neun Uhr früh. Das ist echt okay, vor allem weil ich dazwischen echt super geschlafen habe und weil Mario eher kurz stillte. Dafür hat er auch die ganze Nacht bei uns geschlafen ...
Und somit ist auch die Angst vor der Angst weniger - weil ich weiß, es kommt jetzt nicht jeden Abend. Natürlich heißt das nicht, dass es nie wieder kommt, aber ich muss jetzt nicht jeden Abend befürchten, es wird wieder so ...

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr überzeugt bin ich, dass es die Vollnarkose ist, die mir bzw. meiner Seele zu schaffen macht. Auf den Kaiserschnitt war ich vorbereitet, er war geplant und ich hatte das feste Vertrauen, dass er genauso gut und super verlaufen würde wie Felix Kaiserschnitt. Auch auf die Spinale war ich vorbereitet und hatte keine Angst davor. Dass es dann ganz anders laufen würde, war unerwartet.

Noch dazu hat niemand im OP mir gesagt, dass ich jetzt eine Vollnarkose bekomme (wobei mir gesagt wurde, es war auch nicht als Vollnarkose geplant, sondern wirklich nur zur Beruhigung und Schmerzstillung - aber ich sprach anscheinend auf Spinale und dieses Mittel so gut an, dass ich wegschlief).
Ich sagte, es täte weh, daraufhin wurde mir gesagt, sie würden mir was geben - ich dachte gegen die Schmerzen, aber eben nicht an eine Vollnarkose.
Und auch wenn ich im Aufwachraum friedlich und positiv darüber denken konnte - meine Seele hat anscheinend nicht verarbeitet, was da passiert ist. Und tief im Unterbewusstsein dürfte die Angst stecken, aus der Narkose nicht mehr aufzuwachen, die Kontrolle zu verlieren, nicht zu wissen, was da passiert ist ...

Alleine diese Erkenntnis bringt mir aber schon soviel - und ich hoffe sehr, dass mir die Bachblüten eines Freundes (Rote Zeder gegen Trauma und Gänseblümchen nach der Geburt) helfen, dass ich nie wieder so eine furchtbare Nacht erleben darf.

Nachtrag

Ich hatte gottseidank nach dieser einen furchtbaren Nacht und der Erkenntnis und Therapie keinen weiteren "Anfall" mehr. Ich denke auch nicht mehr soviel darüber nach, mir ist aber bewusst, dass diese Geburt nicht so verlaufen ist, wie es sein sollte oder wie ich es mir gewünscht hätte.

Das Traurige jedoch: Mario dürfte auch noch etwas daran knabbern :( Nachdem Mario ja untertags kaum schlief und sich wahnsinnig gegen den Schlaf wehrte (auch auf mir oder im Tragetuch) ging ich mit ihm zur Cranio Sacral Therapie, um herauszufinden, ob er durch Energieblockaden und versäumte Geburtserlebnisse (er wurde ja nicht richtig "geboren" sondern per Kaiserschnitt geholt) negativ beeinträchtigt wurde.
Ergebnis: an sich passt alles, Mario geht es gut und auch die Kommunikation zwischen mir und ihm dürfte passen (was mich ehrlich gesagt positiv überrascht hat, weil ich schon Angst hatte, dass wir miteinander Probleme hätten, weil ich doch durch meine Überforderung manchmal ausflippe :()

Nur im Brustbereich musste eine Blockade gelöst werden - die u.a. auch Grund sein dürfte für sein manchmal hysterisches Aufweinen oder sein keuchendes "Beinahe-Ersticken" beim Trinken. Anscheinend hat er nun die Panikattacke, die ich nach der Geburt hatte, und er muss auch erst die abrupte "Geburt" und die Narkose verarbeiten.
So weit möglich soll ich ihn unterstützen mit den Bachblüten (durch das Stillen bekommt er sie ja von mir mit) und viel Reden und Aufarbeiten der Geburt.
Zudem muss ich den Kinderarzt fragen, ob mit seiner Atmung alles in Ordnung ist, denn er verkutst sich doch sehr häufig beim Trinken und man bekommt richtig Angst, dass er nicht mehr atmen kann (er hat natürlich auch Angst davor und steigert sich noch mehr rein :()